Sammlung

Allen Jones

* 1. September 1937 in Southampton, Großbritannien; lebt in London, Großbritannien

Werke in der Städtischen Sammlung Erlangen

  • The Magician Suite, 1976

Beschreibung

Sechs Lithographien auf handgeschöpftem Bütten
Maße: jeweils 59 x 84 cm
Signatur, Datierung, Nummerierung: jeweils signiert und datiert rechts unten, nummeriert links unten
Exemplar-Nummer: 26/60
Druck: Landfall Press, Chicago
Verlag: Waddington Graphics, London
Inventar-Nummer: 1001133.1–6
Abbildung: Blatt 3

 

Allen Jones entführt uns mit The Magician Suite in eine Zaubervorstellung der besonderen Art, denn hier ist nichts, wie es scheint. Der Betrachter wird in jedem Fall Opfer der magischen Illusion, denn er sieht nur das, was in seiner konditionierten Wahrnehmung den eigenen Vorurteilen entspricht. Die scheinbar offenkundige Fixierung auf die weibliche Erotik, die Jones erbitterte Vorwürfe wegen angeblicher Frauenfeindlichkeit und Chauvinismus einbrachte, nimmt indes nur Stereotypen der Darstellung der Frau auf, wie auch der Mann in Anzug und mit Hut in seiner konventionellen Rolle stilisiert dargestellt ist. Die Übertreibung, die der vorschnelle Betrachter als sexuelle Unterdrückung der Frau wertet, spielt jedoch mit den Vorurteilen zu den Rollen der Geschlechter. So wird bei näherem Hinsehen deutlich, daß die durch Handschuhe und High-Heels symbolisierte Frau nicht passives Objekt der Begierden des Mannes ist, sondern, ihre Reize bewußt einsetzend, als Domina die Führung übernimmt in der beide Geschlechter vereinenden Kommunikation: der Sexualität als Ziel der Sehnsucht zweier einzelner Menschen nach Verschmelzung.
Und so stellt sich die Frage, ob es denn nicht verständlich ist, wenn hier die sexuellen Reize der Frau übertrieben und obsessiv dargestellt sind, denn immerhin wecken sie stets das erste Interesse des Mannes an der Frau und haben eine entsprechende Funktion für den Beginn einer Paar-Beziehung. Jones verleugnet nicht seine Faszination von der Weiblichkeit, er huldigt ihr, wenn er entgegen der Gewohnheit der Frau nicht nur die Rolle der hübschen Assistentin zuspricht, sondern sie bei der Verzauberung des Mannes darstellt. Damit verfällt der Betrachter sowohl der Illusion des Magiers, der mit seiner Helferin von den Tricks abzulenken scheint, als auch der Illusion Allen Jones’, der den Betrachter sich selbst in die Irre führen läßt. Wer Jones’ Darstellung der Frau durch stereotype Merkmale als sexuelle Reduktion deutet, ist ihm in die Falle gegangen. Es geht ihm nicht um die Abwertung der Frau, sondern um eine Kritik der Doppelmoral derjenigen, die an den Stereotypen von Mann und Frau solange festhalten, als diese nicht auf Erotik anspielen.1 Denn nicht Jones reduziert die Frau auf ihre sexuellen Attribute, der Betrachter selbst tut es.
VERONIKA BERGER  

1 Christiane Vielhaber, Allen Jones. Über die Trennung der Geschlechter hinausgelangen, in: Kritisches Lexikon der Gegenwartskunst, hrsg. v. Lothar Romain und Detlef Bluemler, München 1993; Marco Livingstone / Richard Lloyd (Hrsg.), Allen Jones. Prints, München/New York 1995 (WV Nr. 71 a–f ).

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