Sammlung

César Domela

* 15. Januar 1900 in Amsterdam, Niederlande; † 30. Dezember 1992 in Paris, Frankreich

Werke in der Städtischen Sammlung Erlangen

  • Triptychon, 1972–79

Beschreibung

Kassette mit drei Siebdrucken auf Japan-Büttencollagenpapier
Maße: jeweils 65,5 x 51,5 cm
Signatur, Datierung, Nummerierung: jeweils verso signiert, datiert rechts unten, nummeriert links unten
Exemplar-Nummer: 35/90
Druck und Herausgeber: Edition Hoffmann, Friedberg 1979
Text: César Domela
Inventar-Nummer: 1000258.1–3

 

Konstruktivismus – ja, aber bitte mit einer Lockerung der strengen Kompositionsregeln. Dieses Anliegen vertrat der holländische Künstler César Domela als Mitglied der Gruppe der „Abstrakten Hannover“1, zu der auch Rudolf Jahns gehörte. In Anlehnung an seine Landsleute Piet Mondrian und Theo van Doesburg von der Künstlergemeinschaft „De Stijl“, der Domela 1924 ebenfalls beigetreten war,2 entwickelte er das „Prinzip der diagonal gestellten rechtwinkligen Kontrapositionen“3 und entfernte sich dadurch von der dogmatischen Starrheit der orthogonalen Kompositionselemente des Neoplastizismus.
Drei Blätter mit Kompositionen aus Rechtecken, Dreiecken und Kreisen sind hier als Triptychon angeordnet. Die Anzahl der geometrischen Elemente variiert von Blatt zu Blatt, diese stehen aber in einem Verhältnis zueinander. Durch die Überlagerung der nahezu transparenten Formen entsteht eine Tiefenräumlichkeit, ohne diese jedoch aufzulösen, da ihre Umrisse hervorgehoben sind und die geometrischen Grundelemente klar definieren. Auf der linken Seite des Triptychons werden drei Rechtecke und ein Kreis durch ein Dreieck miteinander verbunden. Rechts sind drei Kreise und ein Rechteck zu sehen, welche wiederum durch ein Dreieck verknüpft werden. Auch im mittleren Bild stellt die Form eines Dreiecks die Verbindung zwischen Kreis und Rechteck dar, doch diesmal in verdreifachter Form. Jedes Element wird also dreimal aufgenommen, so daß die einzelnen Tafeln, in denen das Dreieck stets eine synthetische Funktion einnimmt, in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander stehen und jede dabei doch ihre ganz eigene Rolle spielt: Das Rechteck, das sich durch seine rechten Winkel auszeichnet, könnte die Funktion einer These einnehmen. Dem gegenüber steht der Kreis, ohne jeglichen Winkel, als Antithese. Das Dreieck stellt mit der Vielfalt möglicher Winkel eine Synthese der beiden vorangegangenen Elemente dar.4 Es verbindet die einzelnen Kompositionen, dominiert ihr jeweiliges Erscheinungsbild und vermittelt im Zentrum der Dreiergruppe den Übergang zwischen Rechteck- und Kreisform.
Mit einem Blick auf Domelas gesamte Schaffensperiode kann man diese Komposition als eine Stufe seiner stilistischen Entwicklung beschreiben: Von den neoplastischen Konstruktionen in der Nachfolge Mondrians kam Domela über weniger strenge Kompositionen schließlich mit seinen späteren geschwungenen Reliefs zur absoluten Auflösung von Winkeln und Flächigkeit.
JARI ORTWIG  

1 Vgl. Kat. der Ausst. Die Abstrakten Hannover. Internationale Avantgarde 1927–1935. Sprengel-Museum Hannover 1987, o. S.
2 Vgl. Kat. der Ausst. César Domela. Werke 1922–1972, Hrsg. Karl-Heinz Hering, Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, Düsseldorf 1972, o. S.
3 Willi Rotzler, Konstruktive Konzepte, Zürich 1995, S. 70.
4 Vgl. Gerhard Weber, César Domela. Retrospektive, Annely Juda Fine Art London 1973, o. S.

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