Sammlung

Dennis Oppenheim

* 6. September 1938 in Electric City, USA; † 21. Januar 2011 in New York City, USA

Werke in der Städtischen Sammlung Erlangen

  • Maze – Whitewater, Wisc. USA, 1970

Beschreibung

Offsetlithographie
aus der Mappe LANDSCAPE (mit jeweils einer Graphik von Christo, Jan Dibbets, Richard Hamilton und Dennis Oppenheim)
Maße: 33 x 40 cm
Signatur, Datierung, Nummerierung: signiert Mitte unten, nummeriert rechts unten, datiert und betitelt links unten
Exemplar-Nummer: 39/55
Inventar-Nummer: 1001416

 

Dennis Oppenheims Maze (Irrgarten) ist nicht nur ein Beispiel für frühe Land Art, es steht auch für die Verbindung von Wissenschaft und Natur. Auf einer Viehweide bei Whitewater, Wisconsin, reihte er Heuballen zu einer Art Labyrinth aneinander. Damit bildete er, in stark vergrößertem Maßstab, eine Versuchsanordnung nach, die zur Beobachtung des Verhaltens von Mäusen bei der Futtersuche dient. Nach der Fertigstellung des Werkes ließ Oppenheim Kühe auf das Labyrinthfeld, um dort ihr Futter zu suchen. Damit wollte er „die Verteilung von Energie“ visualisieren.1 Der Photo-Offsetdruck in der Mappe Landscape dokumentiert dieses Projekt.
Gezeigt wird eine Luftaufnahme des Feldes in der Dämmerung. Die gelben Linien des Irrgartens folgen teilweise den Spuren, die ein Traktor beim Abmähen der Weide hinterlassen hat, während die anderen sie im 90°-Winkel kreuzen. Jahreszeitliche Spuren zeigen sich am Weiß vereinzelter Schneereste auf der allmählich ergrünenden Wiese. Bläulich schimmernde Schmelzwassertümpel haben sich gebildet. Das schräg einfallende, fahle Licht akzentuiert die Strukturen im Feld und den Verlauf des Irrgartens in seiner Dreidimensionalität.
Das Werk Oppenheims, das der Zerstörung durch die Naturprozesse demonstrativ ausgeliefert ist, gibt damit ein Bild von der Vergänglichkeit aller Dinge und des Menschen. Das Werk ist nur als Photo dokumentiert. Oppenheim spielt mit dem „kognitive(n) Element des ,Verstehens‘ labyrinthischer Grundrisse“2, die bereits in der Antike wurzeln und in vielen Kulturen eine spirituelle Rolle spielen. „Das unübersichtliche Wegeknäuel diente zugleich als Weltmodell, da den Menschen ihre Lebensumstände dann als labyrinthisch erscheinen, wenn sie selbst Bestandteil einer ,Ordnung‘ sind, die sie von innen heraus nicht mit einem Blick zu erfassen vermögen.”3
Denkt man an die historische Situation, in der diese Offsetlithographie entstanden ist, wird deutlich, wie sich Oppenheims Labyrinth auch auf die „Grenzen des Wachstums“ bezieht. In dieser Studie beschrieb 1972 der amerikanische Ökonom Dennis Meadows die Entwicklung der Erde als Wirtschaftsraum bis zum Jahr 2100 unter Beeinflussung von Nahrungsmittelknappheit, Rohstoffmangel und Umweltverschmutzung. Mondlandung, Kubakrise, Vietnamkrieg und Rassenunruhen waren weitere Schlagwörter in der amerikanischen Geschichte der Jahre 1955 bis 1973, die ebenfalls die Öffentlichkeit beherrschten.
CAROLIN LIEBERMANN  

1 Interview von Dennis Oppenheim mit Janet Kardon, zit. nach: Hermann Kern, Labyrinths. Tradition and Contemporary Works, in: Artforum, Mai 1981, S. 65.
2 Anna Zika, ParTerre. Studien und Materialien zur Kulturgeschichte des gestalteten Bodens, (Phil. Diss.) Wuppertal 2001, S. 141.
3 Zika 2001, S. 133.

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