Sammlung

Jack Goldstein

* 27. September 1945 in Montreal, Kanada; † 14. März 2003 in San Bernardino, USA

Werke in der Städtischen Sammlung Erlangen

  • Untitled #1, 1983
  • Untitled #2, 1983

Beschreibung

Zwei Farblithographien mit Siebdruck auf Bütten
Maße: jeweils 76,5 x 102 cm
Signatur, Datierung, Nummerierung: jeweils signiert, datiert und nummeriert rechts unten
Exemplar-Nummer: 11/55
Verlag: Edition Schellmann und Klüser, München
Inventar-Nummer: 1002532.1–2

 

Der 2003 verstorbene kanadische Künstler Jack Goldstein machte sich in seiner frühen Schaffensphase vor allem als Regisseur, Performance- und Klangkünstler einen Namen; in den frühen 80er Jahren wandte er sich der Malerei zu. Als konstante Themen seines Werkes begegnen immer wieder Natur und Technologie, die in vielfältiger medialer Form erforscht werden.1 So auch in Untitled #1 und Untitled #2 von 1983, die in einer Reihe ähnlicher, ebenfalls unbetitelter Arbeiten stehen.
Grelles, weißes Licht auf dunkelblauem Hintergrund spielt die Hauptrolle in den beiden Lithographien: In Untitled #1 vollführt es strahlenförmige, wellen- und schleifenartige Bewegungen, wobei es in der Intensität seiner Leuchtkraft zwischen der Stärke von Haarrissen und satten Strahlen changiert, die entlang ihrer Konturen hellgrün fluoreszieren. Die Darstellung von Licht- und Schallwellen, die als Motiv der Bilder Goldsteins aus den frühen 80er Jahren einen thematischen Bezug auf Natur und Technologie herstellen, klingt auch hier an, denn im mittleren und rechten Teil der oberen Hälfte bilden Linien ebenfalls ein Diagramm sich überlagernder Schallwellen.
Untitled #2 läßt den Betrachter Zeuge eines Schauspiels vor nächtlicher Szenerie werden: Gegen die Silhouette einer Kleinstadt, die nur sparsam durch einen stilisierten Kirchturm und ein Häuserdach am unteren Bildrand angedeutet wird, zeichnen sich filigrane Feuerwerke ab. In gleichzeitiger Präsenz fluten die pulsierenden Leuchtkörper den Nachthimmel und füllen dabei fast die gesamte Bildfläche aus. Auch hier sind die einzelnen Lichtstrahlen durch ein vielfältiges Formenrepertoire voneinander abgegrenzt. Die gradlinigen, leicht geschwungenen, weich gezeichneten oder scharf konturierten Linien der Leuchtbahnen des Feuerwerks entfalten die technisch möglichen Facetten seiner Strahlkraft. „Was im Zentrum des Goldsteinschen ,Bildes‘ entsteht, ist (…) weißes Licht. Das heißt, daß im Mittelpunkt sowohl Anwesenheit als auch Abwesenheit ist, alles und nichts, ein Strahl ohne sichtbaren Ursprung oder bekanntes Ziel, ein Punkt im Raum, der einen leeren Ort bezeichnet.“2 In der Gegenüberstellung beider Graphiken motiviert Goldsteins Kunst der Lichtdarstellung zum Vergleich der Wunder der Natur mit denen der Technologie.
SUSANNE HÜTTER  

1 Jean Fisher, Jack Goldstein, in: Kat. der Ausst. Jack Goldstein. Feuer/Körper/Licht, Städtische Galerie Erlangen 1985, o. S.
2 Ebd.

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