Sammlung

Jacqueline Salmon

*1943 in Lyon, Frankreich; lebt in Paris, Frankreich

Werke in der Städtischen Sammlung Erlangen

  • Lagerschuppen in Alexandria / Nagib Machfus, 1993

Beschreibung

Diptychon aus zwei schwarz-weiß Photographien, Photopapier auf Hartfaserplatte
Maße: jeweils 68,7 x 68,7 cm
Signatur, Datierung, Nummerierung: jeweils verso signiert und nummeriert
Exemplar-Nummer: 1/5
Inventar-Nummer: 1002539.1–2

 

Entre centre et absence – zwischen Zentrum und Abwesenheit heißt die Werkreihe, zu der dieses Diptychon zählt. Salmon, die sich nicht zuletzt durch Photographien verlassener Orte einen Namen gemacht hat, verbindet eben diese in ihrer Werkreihe mit Portraits bekannter Künstler. Das hier vorliegende Werk zeigt den späteren Literatur-Nobelpreisträger Nagib Machfus (1911–2006) und einen Lagerschuppen im ägyptischen Alexandria. Beide Photographien sind quadratisch und entsprechen genau dem Bildausschnitt, den die Künstlerin in ihrem Kamerasucher ausgewählt hatte. Typisch für Salmon ist die ausschließliche Verwendung von natürlichem Licht, so auch in ihren Portraitphotographien.
Inhaltlich sind die beiden Darstellungen zunächst schwer miteinander zu verbinden. Der Portraitierte scheint mit dem Lagerraum vorerst nichts gemein zu haben, außer der ägyptischen Herkunft. Salmon, die diese Motive keineswegs zufällig miteinander kombiniert hat, verweigert dem Betrachter eine Erklärung: „Man ist versucht, ein Portrait mit dem Foto eines Ortes zusammenzubringen, das dem Werk des Portraitierten ähnelt, aber dieser bequemen Möglichkeit darf man niemals nachgeben. Man darf niemals denken können, daß das Bild, das ich dem Portrait an die Seite stelle, eine Art spitzfindiger Illustration des Werks oder seines Urhebers ist. Es mag darin anklingen, aber das Bild sollte vielmehr einen inneren Ort darstellen, der von dem Gedanken des Werks erfüllt ist.“1 Die Deutung des Motivs bleibt somit Mutmaßung. Liegen hier Machfus’ Manuskripte oder alte Schriftstücke? Ist das Gelagerte wertvoll oder wurde es einfach vergessen? Oder handelt es sich lediglich um alte Zeitschriften, die jemand dort eingelagert hat? Der Lagerschuppen erweckt eher den Eindruck von Vernachlässigung. Das Papier, zum Teil Zeitungen, ist gebündelt und gestapelt, offenbar schnell und ohne System. Das Portrait Nagib Machfus‘ steht im Kontrast zu dieser skurrilen Ordnung. Der alte Mann wirkt „aufgeräumt“, gelassen hält er seinen Stock in der rechten Hand und scheint den Betrachter dabei direkt, aber ruhig anzuschauen.
Die Intensität der beiden Bilder entsteht durch ihre Koppelung, aber auch durch den Verzicht auf Farbigkeit und die innere Nähe der Motive. Zwischen der Extrovertiertheit seines Gesichts und der in dem Lager archivierten Geschichte entwirft Salmon ein Portrait von Nagib Machfus.
KATRIN SCHMIDT  

1 Bernd Schulz (Hrsg.), Jacqueline Salmon – entre centre et absence, Paris / Heidelberg 2000, S. 116.

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