Sammlung

Jürgen Klauke

* 6. September 1943 in Kliding; lebt in Köln

Werke in der Städtischen Sammlung Erlangen

  • Dr. Müllers Sex Shop oder So stell ich mir die Liebe vor, 1977

Beschreibung

Kassette mit 13 Farbphotographien
Maße: jeweils 50 x 40 cm
Signatur, Datierung, Nummerierung: signiert und datiert auf dem Deckblatt
Épreuve d’artiste
Herausgeber: F. C. Gundlach und J. Klauke, Hamburg/Köln
Inventar-Nummer: 1001110.1–13

 

Vor einem dunkelbraunen, neutral gehaltenen Hintergrund entwickelt sich eine Szenenfolge sexuell aufgeladener Posen. Jürgen Klauke schlüpfte in die Rolle des androgynen Transvestiten und tanzte einen Reigen mit allerlei Accessoires aus „Dr. Müllers Sex Shop“.
Es geht hier nicht in erster Linie um die Liebe, wie der zweite Teil des Titels es vermuten läßt, sondern um die Stimuli der Sexualität, die in unserer Gesellschaft im Überfluß vorhanden sind. Klauke potenziert sie durch Übertreibung ins Absurde. Er behängt sich mit Surrogaten der Sexualität wie beispielsweise einer Gummipuppe, aufgeblasenen Kondomen, Dildos oder einer tierähnlichen Maske.
Die Bilderfolge erweckt den Eindruck, daß sich um den Protagonisten Klauke alles immer schneller dreht und wirbelt. Die Sequenzen verwischen und gehen ineinander über. Sie steigern sich in Form, Farbe und Ausstattung. Klaukes Gesicht füllt im letzten Bild der Reihe den kompletten Bildraum aus. Fast schon wie in einem ekstatischen Orgasmus präsentiert er es dem Betrachter, lusterfüllt, aber auch mit Trostlosigkeit unterlegt.
Klauke setzte eine private Performance in Szene, die erst durch das Medium der Photographie Öffentlichkeit erlangt. Das Heimliche einer verborgenen, nicht gelebten Sexualität wird mit dieser doppelten Darstellung, der Inszenierung und der Abbildung, ins Unheimliche gesteigert. Mit dem ironisch-sarkastischen Unterton der photographisch beglaubigten Fiktion entblößt Klauke zudem die bigotte Scheinheiligkeit des Katholizismus und seiner Sexualmoral.
Die dargestellte Sexualität scheint nicht mit unseren Vorstellungen von Liebe konform zu gehen. Sie baut sich über Fetische auf, die das Unglückliche und Gesichtslose ihrer mechanischen Ausübung offenbaren. Eine so genannte Zweisamkeit mit einer Gummipuppe zeigt gerade auch Trauer und Verzweiflung. Klaukes Karussell umkreist bei allem spielerischen Spott auch ein ernstes Problem.1
ANNETTE MELBER  

1 Kat. der Ausst. Jürgen Klauke. Formalisierung der Langeweile, Kunstmuseum Luzern, Köln 1981, S. 23.

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