Sammlung

Piero Dorazio

* 29. Juni 1927 in Rom, Italien; † 17. Mai 2005 in Perugia, Italien

Werke in der Städtischen Sammlung Erlangen

  • Ariette, 1981

Beschreibung

Mappe mit vier Siebdrucken auf Colombe Duchêne-Papier
Maße: jeweils 67 x 66 cm
Signatur, Datierung, Nummerierung: 1.–3. Blatt signiert und datiert rechts unten, nummeriert links unten; 4. Blatt signiert, datiert und nummeriert rechts unten
Exemplar-Nummer: 8/25 (Épreuves d’artiste)
Druck: Arte 3, Mailand
Inventar-Nummer: 1000014.1–4

 

Piero Dorazios Kunstwerke zeigen Farben, die sich teilweise in Flächen überlagern, sich aufsplittern in gestrichelte Bahnen, einen regelrechten Farbteppich bilden. Farben, die in leuchtenden Bündeln dynamisch über das Blatt flirren, sich wellenartig ausbreiten oder in zarten hellen Schwärmen darüber gestreut sind. Beim Betrachten kann man Strahlen assoziieren, die wie Blitze über das Bild zucken, vielleicht Regenschauer, Spiegelungen, Lichtreflexe der untergehenden Sonne auf einer Wasseroberfläche, gezündete Raketen, Hitzeflirren oder einen flimmernden Fernseher.
Trotz der Zweidimensionalität der Blätter, die keine tiefenräumliche Illusion oder Gegenständlichkeit aufweisen, kann der Betrachter die Farben in seiner Wahrnehmung mit Leben, mit Vorstellungen von Natur und Raum füllen. Auf eine weniger faßbare Art und Weise werden Stimmungen suggeriert, eine fröhlich beschwingte oder emotional aufgewühlte, energiegeladene oder sogar eine hektische. Dorazio geht noch weiter, wenn er meint: „Wir lassen aus der zweidimensionalen Oberfläche der Leinwand ein optisches Phänomen entstehen, wir erschaffen ein Bild, das im Betrachter ein Gefühl, eine Empfindung hervorruft, aus all dem entsteht nach und nach ein Problem, ein Urteil, eine Idee, ja wir können sogar sagen, eine Denkweise und eine Geisteshaltung. Erst dann haben wir es mit Kunst zu tun.“1
In losem Zusammenhang damit stehen auch die Titel arietta 1 bis arietta 4 der Folge von Siebdrucken: Sie eröffnen eine weitere Sinnebene. Ariette – eine kleine Arie (ital.: aria = Luft, Weise, Melodie), meist Bestandteil eines größeren musikalischen Werkes wie einer Oper, aber auch in der Dichtkunst ein üblicher Begriff, vermittelt in einer empfindsamen Weise die Gefühle und Stimmungen, den Affekt. In diesem Sinne verwendet Dorazio Farbe analog zu Tönen in der Musik, er variiert Farbkombinationen und -muster bei ähnlichen Grundtönen, entwirft Farbakkorde, Farbklänge und -melodien, mal ruhig-harmonische, rhythmisch-impulsive oder schnell rauschende.
Im dichterischen Werk Giuseppe Ungarettis, eines Freundes von Piero Dorazio, scheinen sich seine Bilder in Poesie verwandelt zu haben:  

Heiter  
Nach all dem
Nebel
da
und da
zeigen sich
die Sterne  

Ich atme
die Frische
welche die Farbe des Himmels
mir läßt  

Erkenne
ein flüchtiges Bild
mich wieder  

In einem Kreisel gefaßt
unsterblich2  
SARAH WITTIG  

1 Piero Dorazio (1966) zit. nach: Kat der Ausst. Piero Dorazio, hrsg. v. d. Stadt Bottrop, Quadrat Bottrop Moderne Galerie, Bottrop 1982, o. S.
2 Pietro Ungaretti, Piero Dorazio. Arbeiten auf Papier 1946–1991, Saulgau 1992, S. 110 f.

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