KOMMENDE AUSSTELLUNG

Anna K.E. & Florian Meisenberg

Eröffnung: 27. Juni 2019
Ausstellung: 28. Juni - 15. September 2019

Mit der Ausstellung von Anna K.E. (*1986 in Tbilsi, Georgien) & Florian Meisenberg (*1980 in Berlin) setzt das Kunstpalais ein neues Ausstellungskonzept fort, das im Jahr 2018 mit Julian Charrière und Julius von Bismarck begonnen wurde. Zwei Künstler*innen, die sowohl getrennt arbeiten, als auch ein gemeinsames Œuvre haben, bespielen das gesamte Haus.


K.E. und Meisenberg verbindet ihr gemeinsames Interesse an Kommunikation, an Netzwerken und neuen Medien. Seit acht Jahren teilen sie sich ein Atelier und eine Wohnung und untersuchen ihren gemeinsamen kreativen Schaffensprozess im Kontext ihrer Umgebung. Für die Ausstellung im Kunstpalais verbinden sie ihre raumgreifenden Installationen aus Malerei, Video, Skulptur, Performance und interaktiven VR-Arbeiten zu einem riesigen Kunstparcours.


Die Videos des Kollaborationsprojekts Late Checkout entstanden auf gemeinsamen Reisen und zeigen das Duo in einer Art symbiotischer Bewegung durch ihre Hotelzimmer. Meisenberg filmt K.E. und dieses Live-Video wird via WIFI auf das Smartphone, das K.E. in der Hand hält, übertragen. Ihren Blick fokussiert auf das Display gerichtet, sieht sie ihren eigenen Körper sich langsam und tänzerisch über Möbel, auf Betten, Teppichen und vor riesigen Panoramafenstern bewegen. Mit dieser intimen Performance hinterfragen K.E. und Meisenberg klassische Rollenverteilungen, Sehgewohnheiten und Kommunikationsmittel. Indem beide mittels der Live-Übertragung dasselbe sehen, interagieren sie mit- und füreinander und beeinflussen sich gegenseitig. Die Künstler*innen werden zu Betrachter*innen ihrer selbst und inszenieren durch die Kamera und über den Bildschirm des Smartphones eine Art Double-Selfie in einer endlosen Feedback-Schleife der sich begegnenden Bildschirme. Sie weisen auf die immer weiter zunehmende technologische und menschliche Verflechtung hin und stellen Fragen nach der zukünftigen Rolle unseres Selbst.


Im Untergeschoss des Kunstpalais zeigt das Duo seine individuellen Arbeiten. Mit viel Gefühl für die umgebende Architektur bauen sie eine Art künstlerische Landschaft, die die Arbeiten zu einem großen Narrativ verbinden. In dieser Umgebung zeigt Anna K.E. ihre fortlaufende Serie Teen Factory. K.E. setzt sich darin mit moderner Architektur auseinander und nutzt das Modell als eine Simulation für Gedankenexperimente. Ihren Projekten fügt K.E. ihre eigene fröhlich bunte, zeitgenössische Ästhetik bei, die wiederum auf unsere Internetkultur und neue Medien referiert. An den Wänden des großen Saals erstreckt sich ein Zeitstrahl, der Meisenbergs Auseinandersetzung mit Malerei von den Anfängen bis heute dokumentiert. Dieses Medium ist für ihn immer das Fundament all seiner Arbeiten und der Ursprung seiner Untersuchungen von Realität und ihrer Abbildung.


K.E. und Meisenberg untersuchen auf ihre ganz eigene Weise unsere Gegenwart und gehen dabei den brennenden Fragen nach, was Wirklichkeit nach der digitalen Revolution bedeutet. Ihre Kunst ist weitestgehend eine Simulation, die mit der Illusion oder Fragestellung nach der Realität eines virtuellen Raumes spielt und sein Verhältnis zum uns umgebenden Raum, sei es Galerie, Museum oder Großstadt, auslotet.


Zur Ausstellung wird ein Katalog erscheinen, der mit der neuen Technologie Augmented Reality (AR) gestalterisch und konzeptuell erweitert wird. Die Textbeiträge werden das Œuvre aus kuratorischer und kunsthistorischer Perspektive beleuchten, während ein Künstler*inneninterview K.E. und Meisenberg selbst die Möglichkeit zur Kontextualisierung gibt.


 


Abb.: Anna K.E. & Florian Meisenberg, Installationsansicht, Late Checkout (West Berlin), WNTRP, Berlin, 2017, Photocredit Trevor Good, Berlin