KOMMENDE AUSSTELLUNG

Grace Weaver

Eröffnung: 15. November 2019
Ausstellung: 16. November - 09. Februar 2020

Grace Weaver (*1989 in Vermont, USA) zählt zu einer jungen Generation von Künstler*innen, die der figurativen Malerei in den letzten Jahren durch sensibles Gespür und stilistische Impulse zu einer wiedererstarkten Präsenz innerhalb der zeitgenössischen Kunst verholfen hat. Weavers großformatige Ölgemälde beleben nicht nur die Tradition des Genrebildes neu, sie lassen sich darüber hinaus als betont weibliche Positionierung in einem lange vom Typus des männlichen Künstlers dominierten Medium lesen.


Den sorgfältig komponierten Szenen auf Leinwand geht stets ein intensiver Arbeitsprozess aus Studien und Vorzeichnungen voraus. Die Gemälde selbst entführen in eine Welt, deren jugendliche Bewohner*innen Zeitgenossen der Künstlerin sind und für deren Beschreibung häufig auf soziale Labels zurückgegriffen wird: Millenials, Generation Y, digital natives. Die Figuren bevölkern urbane Räume, sie sitzen beim Frisör, liegen am Strand, joggen durch Parks. Sie beugen sich über Laptops und Handydisplays und trinken Cocktails und Coffee to go. Einkaufen, chatten, sich schminken und fotografieren sind wiederkehrende Aktivitäten der Männer und vor allem Frauen, die in Weavers Bildern auftauchen. Ihre Gliedmaßen wirken comicartig weich und elastisch, die Körperformen kurvig manieriert, die Gesichtszüge meist entspannt. Verbindendes Merkmal der Darstellungen sind ihre Flächigkeit, die die Dreidimensionalität des Raumes nur andeutet oder ganz auf sie verzichtet und die Farbpalette, die von Bonbon- bis Erdtönen reicht, Primärfarben aber meidet.


Grace Weaver ist eine aufmerksame Beobachterin gegenwärtiger Entwicklungen und Trends in vielen Bereichen der Gesellschaft. Ihre Malerei weist sowohl Bezüge zu Mode und Popkultur auf, referiert aber auch auf psychologische Momente ihrer Generation: soziales Unbehagen, Work-Life-Balance, Langeweile und Selbstoptimierung sind hier die Stichworte, zwischen denen ihre Charaktere hin- und herzupendeln scheinen. Inspiration stellen für Weaver Werke der Fauvisten und Nabis dar, aber auch die indische Kalighat-Malerei des 19. Jahrhunderts und häufig Werke des US-Amerikaners Alex Katz. Weavers Farbkompositionen und Linienführungen sind ganz auf die visuelle Hingabe ihrem Sujet gegenüber angelegt. Sie scheinen danach zu verlangen, von den Augen aufgesogen zu werden wie Softeis und behalten doch stets eine vage Note für sich zurück. Ganz so wie die Personen, die sich in diesen Bildern oft intensiv beäugen oder deren Blicke sich in den Bildschirmen vor ihnen verlieren, ohne dass man ihre Gedanken lesen könnte.


 


Abb.: Grace Weaver, see-saw, 2016, Öl auf Leinwand, 216 x 254 cm, Fotograf: Charles Benton