Circus Burger & Skala
Im August 2023 machten sich Lion Bischof, Felix Burger und Otakar Skala auf die Reise durch verschiedene Stationen in Oberbayern und Tschechien. Die Route umfasste Bezugspunkte zu Burgers und Skalas Biografie: Orte des Aufwachsens und des Aufbrechens, des Glücklich- und des Traurigseins, der Unbeschwertheit und der Wut. Dorfkneipen, Wanderwege, Vereinsheime, Tümpel, Waldlichtungen. An den verschiedenen Orten wurde ein kleines Zirkuszelt aufgeschlagen und jeweils eine Performance von den Darstellern Skala und Burger aufgeführt. Bischof begleitete als unsichtbares drittes Ensemblemitglied die Aufführung mit der Kamera und choreografierte die Szenen, die teils im öffentlichen Raum vor Publikum, teils in großer Abgeschiedenheit in der Natur inszeniert wurden.
So fand zum Beispiel im Wald bei Großdingharting ein Klavierwettbewerb zwischen dem 6-jährigen Burger und dem Komponisten Franz Liszt statt. Skala betrieb, in seiner Rolle als Dragqueen, an der tschechischen Grenze einen Zuckerwattestand für deutsche Sex- und Fresstouristen. Ein Tyrannosaurus-Rex-reitender Bayern-München-Fan wurde von einem BDSM-Dompteur im Hochsprung trainiert, eine männliche Meerjungfrau zur Ballakrobatin ausgebildet. Im Sport- und Jugendzentrum Skalná wurde während des Volleyballtrainings der Herrenmannschaft das Regelwerk des Hanky Code vorgelesen. Abschluss der Tournee war ein Wettessen in der Wirtschaft „Schnitzel Franz“, ebenfalls in Skalná.
Burger und Skala fungieren in den Performances häufig als Antipoden. Verschiedenen gesellschaftlichen Milieus entstammend, homosexuell oder straight lebend, dörflich oder städtisch aufgewachsen, wechseln sie häufig die Rollen, agieren als Doppelgänger und fordern sich gegenseitig heraus. Neben den performativen Abläufen bilden Gespräche unter den Protagonisten einen großen Teil des Projekts. Das Ensemble unterhält sich über eigene Rollenzuweisungen in künstlerischen Systemen, über biografische Privilegien und Hürden oder vollzieht zu früheren Lebensidealen einen Realitätsabgleich.
Circus Burger & Skala hinterfragt Geschlechterstereotype und lotet mit viel Empathie und Humor die Möglichkeiten für einen Erfahrungsaustausch zwischen ganz unterschiedlichen Männern aus. Das Projekt hat keinen zeitlich festgelegten Rahmen, sondern wird von den drei Künstlern als fortlaufend betrachtet. Es verändert sich jedes Jahr und wächst stetig. Ebenso wenig determiniert ist die Präsentationsform im institutionellen Rahmen. Das Kunstpalais realisiert Circus Burger & Skala als immersive Ausstellung mit umfangreichem Begleitprogramm.
Gefördert durch
Abb.: Lion Bischof, Felix Burger und Otakar Skala, Circus Burger & Skala, 2023