Ausstellung-Detailseite

28.11.2026 – 28.02.2027

CIRCUS

Lion Bischof, Felix Burger, Otakar Skala

Eine Meerjungfrau jongliert mit einem Ball. Ein auf einem Dinosaurier reitender Mann wartet unter dem strengen Blick des Dompteurs auf Anweisungen. Franz Liszt verirrt sich in die bayerische Forstwirtschaft, während im tschechischen Sportverein zwischen Aufschlag und Annahme die Regeln des Hanky Codes verlesen werden. Heuballen rollen über Felder, High Heels versinken im Waldboden und Provinzstädte werden zerhämmert.

Zwischen Autobahn und Queerness, Fußball und Modelleisenbahn, falschen Wimpern und Dorfkneipe zieht der CIRCUS weiter. Er schlägt sein Zelt dort auf, wo keines vorgesehen ist, lässt Vertrautes für einen Moment fremd und Fremdes merkwürdig vertraut erscheinen. Landschaften werden zu Kulissen, Erinnerungen zu Requisiten und Biografien zu Rollen, die angezogen, überzeichnet und wieder abgelegt werden.

Seit 2023 entwickeln Lion Bischof, Felix Burger und Otakar Skala CIRCUS als fortlaufendes performatives Filmprojekt auf Reisen durch Oberbayern und Tschechien. Biografisch geprägte Orte verwandeln sich in temporäre Bühnen, auf denen unterschiedliche soziale Milieus, Vorstellungen von Männlichkeit, Sexualität, Herkunft und Zugehörigkeit aufeinandertreffen.

Burger und Skala fungieren in ihren Auftritten häufig als Antipoden. Verschiedenen gesellschaftlichen Milieus entstammend, queer oder straight lebend, dörflich oder städtisch aufgewachsen, wechseln sie die Rollen, agieren als Doppelgänger und fordern sich gegenseitig heraus. Neben inszenierten Abläufen bilden Gespräche unter den Protagonisten einen zentralen Punkt des Projekts. Das Ensemble unterhält sich über eigene Rollenzuweisungen in künstlerischen Systemen, über biografische Privilegien und Hürden oder vollzieht einen Realitätsabgleich mit früheren Lebensidealen.

Bischofs Kamera begleitet und choreografiert diesen Prozess und wird selbst zum Teil des gemeinsamen Unterwegsseins.

CIRCUS hinterfragt Geschlechterstereotype und lotet mit viel Empathie und Humor die Möglichkeiten für einen Erfahrungsaustausch zwischen ganz unterschiedlichen Männern aus. Das Projekt hat keinen zeitlich festgelegten Rahmen, sondern wird von den drei Künstlern als fortlaufend betrachtet. So wächst CIRCUS zwischen Dokumentation und Inszenierung, Biografie und Fiktion mit jeder Reise weiter – ohne festen Ort und endgültige Form.

Ebenso wenig determiniert ist die Präsentationsform im institutionellen Rahmen. Das Kunstpalais realisiert CIRCUS als immersive Ausstellung mit umfangreichem Begleitprogramm.

 

Gefördert durch

Logo-StMWK.jpg

 

Abb.: Lion Bischof, Felix Burger und Otakar Skala, CIRCUS, 2023

Vernissage: 27.11.2026
zurück